Risse im Bauwesen
Risse im Bauwesen sind weit mehr als nur ein ästhetisches Ärgernis; sie sind in der Regel die ersten sichtbaren Anzeichen für ein Materialversagen oder statische Unregelmäßigkeiten. Während sich einige materialbedingte Risse trotz modernster Technik nicht vollständig vermeiden lassen, stellen andere eine ernsthafte Bedrohung für die Standsicherheit oder Gebrauchstauglichkeit eines Gebäudes dar. Als Sachverständige unterstützen wir Sie dabei, zwischen vernachlässigbaren Bagatellen und sanierungsbedürftigen Baumängeln zu unterscheiden.

Ursachenforschung - Warum entstehen Risse?
Die meisten Baustoffe besitzen eine hohe Druckfestigkeit, können jedoch nur geringe Zugkräfte schadenfrei aufnehmen. Sobald die einwirkenden Spannungen die Eigenfestigkeit des Materials überschreiten, kommt es zur Überlastung und folglich zum Bruch, der sich an der Oberfläche als Riss äußert.
Ein Sachverständiger analysiert das spezifische Rissbild (Verlauf, Breite, Tiefe), um die Ursache einzugrenzen. Typische Auslöser sind:
- Mechanische Einflüsse: Druck-, Zug- oder Schubkräfte durch Setzungen oder Überlastung.
- Physikalische Einflüsse: Materialtypischer Schwund, thermische Längenänderungen bei extremen Temperaturen oder Trocknungsprozesse.
- Äußere Ereignisse: Erschütterungen durch Baumaßnahmen in der Nachbarschaft, Schwerlastverkehr, Hochwasser oder Unfälle.
- Planungs- und Ausführungsfehler: Falsche Materialwahl, fehlende Bewehrung oder missachtete DIN-Normen.
Statistisch gesehen treten herstellungsbedingte Risse meist innerhalb der ersten zwei Jahre nach Fertigstellung auf. Doch auch nach Jahrzehnten können neue Risse entstehen – oft infolge von Alterung, mangelhafter Instandsetzung oder veränderten Umweltbedingungen.
Materialbedingte Risse und deren Ursachen
Viele verwendete Baustoffe können nur geringe Zugkräfte schadenfrei aufnehmen. Werden diese überschritten, kommt es zu einer Überlastung und damit zum Bruch welcher sich als Riss äußert. Am Rissbild kann der Sachverständige die Rissursache erkennen. So können Risse auf Druck-, Zug- oder Schubkräfte wegen materialtypischen Schwund und Längenänderungen, unterschiedlichen Setzungen oder Fehler bei Planung und Ausführung zurückzuführen sein. Anlass für eine plötzliche Rissbildung können außergewöhnliche Ereignisse wie besonders hohe oder tiefe Temperaturen, Trockenheit oder Hochwasser bzw. Wasserschäden wie auch Erschütterungen z.B. durch Baumaßnahmen, tieffrequenter Schall oder Unfälle sein. Die meisten herstellungsbedingten Risse treten während der ersten zwei Jahre nach Errichtung eines Gebäudes auf. Risse können auch nach Jahrzehnten insbesondere wegen Alter, mangelhafter Instandsetzung z.B. von Fugen sowie bei Bauschäden auftreten.
Typen von Rissen
Haarrisse: Sehr feine Risse, die meist oberflächlich sind und oft durch Schwankungen in Temperatur oder Feuchtigkeit verursacht werden.
Setzungsrisse: Breitere Risse, die typischerweise in der Wand oder im Fundament auftreten, häufig durch ungleichmäßige Setzungen des Gebäudes.
Schwindrisse: Diese Risse entstehen, wenn frischer Beton oder Putz zu schnell austrocknet und sich zusammenzieht.
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Maßnahmen zur Risssanierung
Die erste Maßnahme bei Rissen im Bau ist die sorgfältige Analyse und Dokumentation, um die Ursachen festzustellen. Je nach Rissart und -ursache können verschiedene Sanierungsmethoden angewendet werden:
Fugen oder Rissverpressung: Bei breiteren Rissen kann eine Verpressung mit speziellen Materialien erfolgen, um die Stabilität wiederherzustellen.
Injektionen: Epoxidharze oder spezielle Reparaturmörtel können eingesetzt werden, um Risse zu füllen und die Tragfähigkeit zu verbessern.
Dehnungsfugen: Bei zu erwartenden Bewegungen sollte der Einsatz von Dehnungsfugen in Betracht gezogen werden, um zukünftige Risse zu vermeiden.